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Paralimni & Umgebung: Das echte Zypern hinter Protaras

Wochenmarkt, authentische Tavernen und stille Dörfer – ein halber Entdecker-Tag lohnt sich

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Es war ein Dienstagmorgen, und meine Kinder wollten eigentlich wieder an die Fig Tree Bay. Ich hatte aber genug vom Sand zwischen den Zehen und schlug eine Fahrt ins Hinterland vor. Großes Stöhnen. Zwanzig Minuten später standen wir auf dem Wochenmarkt von Paralimni, meine Tochter hatte eine riesige Wassermelone entdeckt, und mein Sohn verhandelte ernsthaft mit einem Großvater über getrocknete Feigen. Das echte Zypern ist näher an Protaras, als die meisten Urlauber denken.

Warum Paralimni und nicht einfach am Strand bleiben?

Protaras ist schön – das bestreitet niemand. Aber nach dem dritten Tag sehen alle Strandrestaurants gleich aus, die Speisekarten sind auf Englisch, Deutsch und Russisch, und der Kellner fragt auf Autopilot, ob man Pommes oder Reis möchte. Paralimni ist das Gegenteil davon. Die Stadt mit rund 15.000 Einwohnern ist das administrative Zentrum der Region Famagusta und liegt gerade einmal 8 bis 12 Kilometer westlich von Protaras – je nachdem, von welchem Hotel man startet.

Hier kaufen die Einheimischen ein. Hier trinken die alten Männer ihren Kaffee. Hier werden Hochzeiten gefeiert und Kinder getauft. Kein einziger Souvenirladen verkauft Keramik-Esel in der Hauptstraße. Für Familien, die einmal tief Luft holen wollen vom Tourismus-Betrieb, ist ein halber Tag in Paralimni und den umliegenden Dörfern wie Sotira und Liopetri eine der besten Entscheidungen des Urlaubs.

Der Wochenmarkt: Mittwochs und samstags in der Stadtmitte

Wer den Markt von Paralimni erleben möchte, muss früh aufstehen. Mittwochs und samstags findet der Laiki Agora – der Bauernmarkt – in der Nähe des Stadtzentrums statt, und er ist am besten zwischen 7:30 und 11:00 Uhr besucht. Danach packen die Händler ein, die Sonne wird heiß, und die Auswahl lichtet sich.

Was es hier gibt: frische Tomaten aus dem Mesaoria-Tal für rund 0,80 bis 1,20 EUR pro Kilo, Zitrusfrüchte, Oliven in zehn Varianten, Halloumi direkt vom Produzenten (ca. 6 bis 8 EUR für 250 Gramm), Honig, Kräuter, selbst gemachte Marmeladen und manchmal auch Kleidung und Haushaltsware. Die Preise sind deutlich günstiger als in den Touristenläden von Protaras – und die Qualität ist besser.

Mit Kindern macht der Markt besonders Spaß, wenn man ihnen ein kleines Budget gibt – sagen wir 5 EUR – und sie selbst einkaufen lässt. Mein Sohn hat sich für eine Tüte Johannisbrot entschieden, was ihn danach für eine Stunde beschäftigt hat. Johannisbrot, das ist dieses dunkle, leicht süße Schoten-Zeug, das auf Zypern überall wächst und das die Kinder entweder lieben oder angewidert wegwerfen. Meiner liebt es.

Die Kirchen von Paralimni: Mehr als nur alte Steine

Paralimni hat gleich drei bedeutende Kirchen, die alle nahe beieinander liegen und zusammen einen schönen Spaziergang ergeben. Das ist kein Kirchenpflicht-Programm – sondern echte zypriotische Stadtgeschichte zum Anfassen.

Agios Georgios

Die Hauptkirche des Ortes, dem Heiligen Georg geweiht, steht im Herzen der Stadt und ist das architektonische Wahrzeichen von Paralimni. Der Bau stammt aus dem 19. Jahrhundert, wurde aber an der Stelle einer älteren Kirche errichtet. Besonders beeindruckend: der Glockenturm, der über die flachen Hausdächer der Umgebung ragt. Eintrittsfrei, Öffnungszeiten variieren, aber morgens zwischen 9 und 12 Uhr ist die Kirche fast immer zugänglich.

Panagia und die alte Kirche daneben

Direkt neben Agios Georgios stehen zwei weitere Kirchen auf engstem Raum – die Panagia-Kirche und eine sehr alte, teilweise verfallene Kapelle, die aber als Ruine erhalten bleibt. Diese Konstellation aus drei Kirchen auf einem Platz ist selbst für zypriotische Verhältnisse ungewöhnlich und hat historische Gründe: Verschiedene Gemeinden und Epochen haben hier ihre Spuren hinterlassen. Für Kinder lässt sich das gut als kleines Rätsel aufbereiten: Warum braucht ein Dorf drei Kirchen nebeneinander?

Authentische Tavernen: Wo man ohne Speisekarte auf Deutsch isst

Das ist der Teil, auf den ich mich bei jedem Zypern-Urlaub am meisten freue. In Paralimni gibt es Tavernen, die keine Touristen-Menus haben. Kein Bild vom Gyros mit Pommes auf der Karte. Stattdessen: eine Tafel, manchmal nur auf Griechisch, und ein Kellner, der erfrischend ehrlich sagt, was heute gut ist.

Was man bestellen sollte

  • Kleftiko – langsam im Lehmtopf gegartes Lamm, das Markenzeichen der zypriotischen Küche. Kostet in Paralimni ca. 14 bis 18 EUR pro Portion, deutlich weniger als in Protaras.
  • Trahanas-Suppe – ein fermentierter Weizenbrei, der je nach Familie sauer oder süß zubereitet wird. Klingt seltsam, schmeckt nach Zypern.
  • Loukaniko – zypriotische Würste mit Wein und Koriander, vom Grill. Für Kinder ein sicherer Treffer.
  • Sheftalia – Hackfleischröllchen im Netz, ebenfalls gegrillt. Günstig, ca. 8 bis 10 EUR für eine Portion.
  • Frischer Halloumi vom Grill – überall, immer, unverzichtbar.

Eine konkrete Empfehlung: Das Restaurant O Pralinos am Stadtrand von Paralimni ist bei Einheimischen beliebt und hat ein Mittagsmenü für ca. 10 bis 12 EUR pro Person. Wer lieber im Schatten eines Maulbeerbaums sitzt, findet in den Seitenstraßen rund um den Kirchenplatz kleine Kafenions – griechische Kaffeehäuser –, in denen man für 1,50 EUR einen zypriotischen Mokka bekommt und für weitere 20 Minuten vergisst, dass es Protaras gibt.

„In einem echten Kafenion bestellt man keinen Cappuccino. Man bestellt einen Kaffee, sagt 'metrios' für mittelstark gesüßt, und wartet, bis er kommt. Das dauert. Das ist der Punkt.

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Kommentare (4 Kommentare)

  1. Wir waren im August 2022 am Nissi Beach, die Kinder wollten nur noch ins Wasser. Ich habe dann aber die Idee gehabt, kurz nach Paralimni zu fahren, um etwas anderes zu sehen – das Stöhnen war ähnlich wie im Artikel beschrieben. Die Wassermelone hat auch bei uns für kurzzeitige Freude gesorgt.
  2. Zwanzig Minuten Fahrtzeit zum Wochenmarkt in Paralimni klingt ja machbar, aber wie sieht es denn mit dem Busverkehr da rauf aus? Wir mit meinem Mann planen für August 2026, und ein Mietwagen ist für uns gerade etwas teuer, deshalb würden wir gerne prüfen, ob man das auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut schafft.
  3. Im Juli 2024 hatten wir ebenfalls das Gefühl, mehr sehen zu müssen als nur die Strandpromenade. Die Hitze in Paralimni war am Vormittag enorm, aber der Markt entschädigte dafür. Wir mit meinem Mann haben dort ein paar besondere Gewürze gefunden.
  4. Wir waren im August 2025 mit meinem Mann kurz in Liopetri und haben den Markt besucht. Die Fahrt von Protaras dauert tatsächlich nicht lange, und die Feigen waren wirklich gut – mein Mann hat noch nie so lange verhandelt. Ich plane für Juli 2026, noch ein paar kleine Ortschaften zu erkunden.

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