Es war ein Dienstag Mitte August 2023, als meine Tochter Lena (damals 6) beim Anblick der Fig Tree Bay einfach stehen blieb und sagte: "Mama, da sind ja alle Menschen der Welt." Sie hatte nicht Unrecht. Zwischen aufgeblasenen Flamingos, Selfie-Sticks und mindestens drei konkurrierenden Beachbar-Playlists war kaum noch Platz zum Atmen – geschweige denn zum Sandburgenbauen. Seitdem haben wir uns systematisch auf die Suche nach Alternativen gemacht. Und die gibt es. Zwei davon liegen nur wenige Minuten entfernt: Sunrise Beach und Pernera Beach.
Dieser Vergleich ist für euch – nicht für Reisebüros. Ich schreibe, was ich selbst erlebt habe, was meine Kinder (jetzt 9 und 13) mochten und was nicht. Und ich versuche, euch die Entscheidung so einfach wie möglich zu machen.
Das Problem mit der Fig Tree Bay – und warum ihr nicht die Einzigen seid
Die Fig Tree Bay ist wunderschön. Das ist das Problem. Seit Jahren wird sie als einer der besten Strände Europas gelistet, und gefühlt kommen jedes Jahr mehr Touristen, um das selbst zu überprüfen. In der Hochsaison (Juli/August) sind die Liegen ab 9 Uhr morgens belegt – auch wenn ihr sie für 10–12 Euro pro Stück bezahlt. Parkplätze kosten 2–3 Euro pro Stunde, und selbst das Wasser fühlt sich manchmal an wie ein belebtes Schwimmbad.
Das bedeutet nicht, dass die Fig Tree Bay schlecht ist. Aber wenn ihr mit einem Kleinkind anreist, das regelmäßige Pausen braucht, oder mit einem Teenager, der sich für Instagram-Selfies zwischen Touristenmassen nicht erwärmen kann – dann lohnt es sich, weiter zu schauen. Die gute Nachricht: Ihr müsst nicht weit fahren.
"Die besten Strände in Protaras sind nicht die bekanntesten – sie sind die, die zu eurer Familie passen."
Sunrise Beach Protaras: Der unterschätzte Geheimtipp im Norden
Der Sunrise Beach liegt nördlich der Fig Tree Bay, direkt am Ortsrand von Protaras, ungefähr 1,5 Kilometer entfernt. Ihr erreicht ihn, indem ihr der Küstenstraße Richtung Norden folgt – zu Fuß in etwa 20 Minuten von der Fig Tree Bay, mit dem Auto in 4–5 Minuten. Parken ist hier deutlich entspannter: Es gibt eine kostenlose Parkfläche direkt am Strand (Stand 2026), auch wenn es in der Hochsaison manchmal eng wird.
Was den Sunrise Beach besonders macht
Der Sand ist feiner als an vielen anderen Stränden in der Gegend, das Wasser flach und ruhig – ideal für Kleinkinder. Der Einstieg ins Wasser ist sehr sanft, ohne Steine oder plötzliche Tiefen. Mein Sohn Jonas hat hier mit 5 Jahren das erste Mal ohne Schwimmflügel im Meer geplantscht, weil er einfach stehen konnte, bis das Wasser ihm bis zur Hüfte reichte.
Liegen gibt es, aber deutlich weniger als an der Fig Tree Bay – schätzungsweise 40–60 Stück, je nach Saison. Der Preis liegt bei etwa 8–10 Euro pro Liege (2026). Wer früh kommt – also vor 9 Uhr – bekommt fast immer einen guten Platz. Eine kleine Strandbar gibt es ebenfalls: Kaffee, Sandwiches, Eis, die üblichen Verdächtigen. Keine große Speisekarte, aber genug für einen entspannten Strandtag.
Für wen ist der Sunrise Beach ideal?
- Familien mit Kleinkindern (0–5 Jahre): Flacher Einstieg, ruhiges Wasser, weniger Trubel – perfekt.
- Familien, die früh aufstehen: Der Strand liegt so, dass er morgens wunderschönes Licht hat. Der Name ist kein Zufall – Sonnenaufgang direkt am Wasser ist hier ein echtes Erlebnis.
- Wiederholungsgäste, die die Fig Tree Bay kennen: Wer schon mehrfach in Protaras war und etwas Neues sucht, wird hier belohnt.
- Paare, die Ruhe suchen: Weniger Partyatmosphäre, mehr Entspannung.
Was fehlt: Es gibt keine Wassersportangebote direkt am Strand. Wer Jetski oder Parasailing will, muss zur Fig Tree Bay oder nach Pernera fahren. Auch die Auswahl an Restaurants in unmittelbarer Nähe ist begrenzt – für ein richtiges Mittagessen müsst ihr ein paar Minuten ins Zentrum von Protaras fahren.
Pernera Beach: Das entspannte Dorfstrand-Gefühl
Pernera Beach liegt im gleichnamigen Küstenort, etwa 3–4 Kilometer nördlich der Fig Tree Bay. Mit dem Auto sind das 8–10 Minuten, mit dem Fahrrad (Verleih in Protaras ab etwa 8 Euro/Tag) eine schöne Küstenrunde. Pernera ist kein touristischer Hotspot – und das ist genau sein größter Vorteil.
Der Strand selbst ist kleiner als Sunrise Beach, etwa 150 Meter lang, mit grobkörnigem, hellem Sand. Das Wasser ist kristallklar und etwas tiefer als am Sunrise Beach – nicht ideal für die Allerkleinsten, aber für Schulkinder und Teenager fantastisch zum Schnorcheln. An den Felsen links vom Hauptstrand gibt es kleine Fischbestände, Seeigel (Vorsicht!) und gelegentlich sogar Tintenfische zu sehen.
Atmosphäre und Infrastruktur
Pernera hat einen anderen Vibe als Sunrise Beach. Hier sitzen zypriotische Familien neben deutschen Urlaubern, es gibt ein paar lokale Tavernen direkt am Wasser, und der Ort hat das Gefühl, dass die Zeit hier etwas langsamer läuft. Das Restaurant Captain's Table (direkt am Strand) serviert frischen Fisch und Meeresfrüchte – Mezze für zwei Personen kosten etwa 35–45 Euro, Kinderportionen auf Anfrage.
Liegen gibt es weniger als am Sunrise Beach – vielleicht 25–30 Stück – und nicht immer sind alle in Betrieb. Manchmal liegt man einfach auf dem eigenen Handtuch, was für viele Familien überhaupt kein Problem ist. Parkplätze: direkt am Strand gibt es eine kleine Fläche (kostenlos), alternativ kann man in den Seitenstraßen parken.
Für wen ist Pernera Beach ideal?
- Familien mit Schulkindern (6–12 Jahre): Schnorcheln, Felsklettern, Entdecken – hier gibt es genug zu tun.
- Teenager: Weniger Massentourismus, mehr Authentizität. Mein Sohn Jonas (13) war hier begeisterter als an der Fig Tree Bay.
- Foodie-Familien: Wer gerne am Strand essen möchte und echte zypriotische Küche sucht, ist hier richtig.
- Paare ohne Kinder: Romantischer, ruhiger, lokaler.
Was fehlt: Kein Kinderbereich, keine Wasserrutsche, keine organisierten Aktivitäten. Für Kleinkinder, die einen flachen, überschaubaren Bereich brauchen, ist Pernera nicht ideal. Auch Schatten am Strand ist begrenzt – Sonnenschirm mitnehmen oder mieten (ca. 4–5 Euro).
Der direkte Vergleich: Sunrise Beach vs Pernera Beach
| Kriterium | Sunrise Beach | Pernera Beach |
|---|---|---|
| Entfernung von Fig Tree Bay | ca. 1,5 km (nördlich) | ca. 3,5 km (nördlich) |
| Wassertiefe / Einstieg | sehr flach, ideal für Kleinkinder | etwas tiefer, Felsen möglich |
| Sandqualität | feiner, heller Sand | grobkörniger, heller Sand |
| Liegen (ca.) | 40–60, 8–10 € pro Stück | 25–30, 5–8 € pro Stück |
| Parkplatz | kostenlos (begrenzt) | kostenlos (begrenzt) |
| Restaurant / Bar | kleine Strandbar | lokale Tavernen direkt am Strand |
| Schnorcheln | möglich, aber wenig zu sehen | sehr gut, Felsen mit Meereswelt |
| Beliebt bei | Kleinkindfamilien, Frühaufsteher | Schulkinder, Teenager, Paare |
| Trubel-Faktor | mittel | gering |
Praktische Tipps für beide Strände – damit der Tag wirklich klappt
Wir haben in den letzten Jahren einige Dinge gelernt, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Manche davon klingen banal, machen aber tatsächlich den Unterschied zwischen einem guten und einem stressigen Strandtag.
Wann hinfahren?
Für beide Strände gilt: Vor 9 Uhr ist Gold wert. Die Liegenvermieter sind oft erst ab 9 Uhr da, aber ihr könnt euch vorher schon mit Handtüchern einen Platz sichern. In der Hochsaison (Juli/August 2026) empfehle ich sogar 8:30 Uhr als Zielzeit. Der Vorteil: Das Licht ist morgens fantastisch, und die Kinder haben noch Energie.
Mittagspause zwischen 13 und 16 Uhr ist Pflicht – nicht nur wegen der Hitze (in Protaras werden im August leicht 38–40 Grad erreicht), sondern auch weil die Strände dann am vollsten sind. Wir nutzen diese Zeit für das Mittagessen, eine kurze Siesta im Hotelzimmer und dann nochmal eine Runde am späten Nachmittag – das Wasser ist dann noch warm, aber die Sonne nicht mehr so brutal.
Was mitnehmen?
- Eigene Wasserflasche (1,5 l pro Person, mindestens) – Wasser an Strandkiosken kostet 1,50–2 Euro pro Flasche
- Schnorchelset für Kinder ab 5 (am Sunrise Beach kaum nötig, an Pernera ein Muss)
- Wasserschuhe für Pernera wegen der Felsen und möglicher Seeigel
- Sonnencreme mit LSF 50+, und zwar mehr als ihr denkt – das Mittelmeer reflektiert stark
- Eine Tüte mit Snacks: Die Wartezeiten an der Strandbar können lang sein, und hungrige Kinder sind keine entspannten Kinder
Mit dem Bus oder Auto?
Der öffentliche Bus in Protaras – die Linie 702 (Paralimni–Fig Tree Bay–Pernera) – fährt in der Hochsaison stündlich und kostet 1,50 Euro pro Person. Für Pernera Beach ist das eine gute Option, wenn ihr im Zentrum von Protaras wohnt. Für den Sunrise Beach ist der Bus weniger praktisch, da die Haltestelle etwa 10 Minuten Fußweg vom Strand entfernt ist. Mit dem Mietwagen habt ihr natürlich die größte Flexibilität – Parkplätze sind an beiden Stränden kostenlos, wenn auch begrenzt.
Welcher Strand passt zu euch? – Eine ehrliche Entscheidungshilfe
Ich werde nicht so tun, als gäbe es eine universelle Antwort. Es kommt auf eure Familie an. Aber ich kann euch ein paar Szenarien geben, die uns geholfen haben:
Ihr habt ein Kind unter 3 Jahren: Sunrise Beach. Eindeutig. Der flache Einstieg, das ruhige Wasser, weniger Trubel – das ist der Strand, an dem ihr entspannt sitzen könnt, während das Kind am Wasserrand planscht. Pernera hat zu viele Felsen und zu wenig Kontrolle über die Wassertiefe für die Allerkleinsten.
Eure Kinder sind zwischen 6 und 12 Jahre alt: Schwierige Frage. Wenn sie Wasserspaß und Schnorcheln lieben, ist Pernera das bessere Erlebnis. Wenn sie einfach im Wasser herumtollen und Sandburgen bauen wollen, ist Sunrise Beach entspannter. Am besten: einen Tag für jeden Strand einplanen.
Ihr habt Teenager dabei: Pernera. Kein Massentourismus, echte Atmosphäre, besseres Schnorcheln, lokale Tavernen. Mein Sohn Jonas war in Pernera zum ersten Mal in Protaras wirklich begeistert – nicht gelangweilt, nicht am Handy.
Ihr seid ein Paar ohne Kinder: Pernera für Romantik und Ruhe, Sunrise Beach für frühmorgendliche Ausflüge mit Kaffee und Sonnenaufgang. Beide Strände sind eine gute Wahl, wenn ihr die Fig Tree Bay kennt und etwas Ruhigeres sucht.
"Kein Strand ist perfekt. Aber der richtige Strand zur richtigen Zeit für die richtige Familie – das ist nah dran."
Was ihr von der Fig Tree Bay mitnehmen solltet – und was nicht
Ich möchte nicht, dass dieser Artikel so klingt, als wäre die Fig Tree Bay ein Fehler. Sie ist fantastisch – für bestimmte Momente. Für den ersten Abend in Protaras, wenn ihr ankommt und einfach ankommen wollt. Für einen Morgen unter der Woche im Juni oder September, wenn die Massen noch oder schon wieder weg sind. Für Familien, die Wassersport wollen (Jetski, Parasailing, Tretboot – alles direkt verfügbar, ab ca. 15 Euro).
Was ich euch empfehle: Plant die Fig Tree Bay für einen Tag ein. Und dann erkundet Sunrise Beach und Pernera. Ihr werdet überrascht sein, wie unterschiedlich sich Protaras anfühlen kann – je nachdem, wo ihr den Handtuchplatz aufschlagt.
Wir kommen seit 2014 jeden Sommer hierher, und jedes Jahr entdecken wir etwas Neues. Pernera haben wir erst 2019 für uns entdeckt – und seitdem ist es unser Lieblingsstrand für Nachmittage mit Teenagern und Tavernenmezze. Sunrise Beach ist unser Morgenritual: Kaffee, Sonnenaufgang, Stille, bevor der Tag richtig anfängt.
Protaras ist mehr als die Fig Tree Bay. Gebt ihm die Chance, euch das zu zeigen.
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